Anforderungen an Einweghandschuhe in der Lebensmittelindustrie

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Das Tragen von Einweghandschuhen in der Lebensmittelindustrie dient nicht nur dem Schutz des Trägers, sondern auch dem Schutz der Lebensmittel bzw. der Verbraucher. Die Einmalhandschuhe verhindern, dass Lebensmittel mit Stoffen in Berührung kommen, die die Gesundheit des Verbrauchers schädigen oder die Lebensmittel im Genuss beeinträchtigen könnten.

In dem folgenden Beitrag erfahren Sie, welche Einweghandschuhe für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie geeignet sind, welche Einmalhandschuhe mit welchen Lebensmitteln in Berührung kommen dürfen und in welchen Gesetzen die Ansprüche an Einweghandschuhe in der Lebensmittelindustrie geregelt werden.

Einweghandschuhe für Lebensmittelkontakt: Welche Handschuhe sind geeignet?

Zunächst sollten bei der Auswahl geeigneter Einweghandschuhe eventuelle Allergien des Handschuhträgers berücksichtigt werden (z.B. Allergien gegen Latex oder Beschleuniger).

Außerdem kommt es bei der Wahl der Einmalhandschuhe stark darauf an, mit welchen Lebensmitteln die Handschuhe in Kontakt kommen sollen. So dürfen Vinylhandschuhe beispielsweise nicht im Umgang mit fetthaltigen Lebensmitteln benutzt werden – und auch Latexhandschuhe weisen nur eine relativ geringe Beständigkeit gegenüber Fetten und Ölen auf. Somit sind Nitrilhandschuhe als einziges für den problemlosen Kontakt mit fettigen Lebensmitteln geeignet.

In der folgenden Tabelle sehen Sie, welche Einweghandschuhe für den Umgang mit welchen Lebensmitteln geeignet sind.

Lebensmitteltauglichkeit der Materialien
Lebensmittel
Nitril
Latex
Vinyl
Backwaren
Fisch
Fleisch
Fette
Gemüse/Obst
Alkoholika
lebensmittelunbedenklich, länger dauernde Vollkontakt des Handschuhs
bedingt lebensmittelunbedenklich, nur für kurzen Teilkontakt
nicht empfohlen

Weitere Vor- und Nachteile der einzelnen Materialien finden Sie in der folgenden Tabelle.

Vor- & Nachteile der Materialien
Eigenschaft
Nitril
Latex
Vinyl
Komfort
Dehnbarkeit
Reißfestigkeit
Sanftheit
Hautfreundlichkeit
Haltbarkeit
Geruch
Schutz vor...
Durchstechen
Lösungsmittel
Alkoholen
Säuren
Viren und Bakterien
Wirtschaftlichkeit
Abbaubarkeit
Preis

Gesetzgebung: Einmalhandschuhe in der Lebensmittelindustrie

Die Einmalhandschuhe in der Lebensmittelindustrie unterliegen einigen gesetzlichen Vorschriften. Welche das sind und welche Pflichten Einweghandschuhe somit erfüllen müssen, um im Umgang mit Lebensmitteln verwendet werden zu dürfen, erfähren Sie im Folgenden.

Verordnung 1935/2004/EG (Rahmenverordnung für Lebensmittelkontakt)

lebensmittelunbedenklich

Diese Verordnung legt fest, dass das Material der Einweghandschuhe keine Stoffe an die zu verarbeitenden Lebensmittel abgeben darf, die der Gesundheit schaden, die Nahrungsmittelzusammensetzung verändern oder den Geschmack, den Geruch oder die Farbe des Lebensmittels beeinträchtigen können. Wenn ein Einmalhandschuh dies erfüllt, darf die Handschuhbox das Piktogramm für Lebensmittelunbedenklichkeit tragen. Ob ein Einmalhandschuh diesen Test bestanden hat, erkennen Sie an dem Glas-Gabel-Symbol auf der Box.

EU Verordnung 10/2011 (Richtlinie für Kunststoffe mit Lebensmittelkontakt)

Gemäß dieser Richtlinie darf ein Einweghandschuh aus Kunststoff keinesfalls mehr als 10mg/qdm an die Lebensmittel abgeben, mit denen er in Berührung kommt. Um zu prüfen, ob ein Einmalhandschuh Bestandteile an Lebensmittel abgibt, werden Migrationstests durchgeführt. Hierzu kommen die Handschuhe mit Simulanzlösemitteln in Kontakt.

Lebensmittel können aus biochemischer Sicht in fünf Klassen unterteilt werden, darunter

  • wasserhaltige (z.B. Ethanol 10 Vol.-%),
  • säurehaltige (z.B. Essigsäure 3 Gew.-%.),
  • alkoholhaltige (z.B. Ethanol 20 Vol.-%),
  • fetthaltige (z.B. Pflanzenöl) und 
  • trockene Lebensmittel (z.B. Tenax).

Um zu prüfen, mit welcher Lebensmittelklasse ein Einweghandschuh in Kontakt kommen darf, wird der Lebensmittelkontakt mithilfe bestimmter Lösemittel simuliert.

Nach Durchführung dieser Migrationstests wird dann festgelegt, ob ein Einweghandschuh lebensmittelunbedenklich oder bedingt lebensmitteltauglich ist oder sich nicht für den Umgang mit Lebensmitteln eignet.

Besteht der Einweghandschuhe alle fünf Migrationstests, so gilt er als lebensmitteltauglich. Fällt der Einmalhandschuh hingegen in einem der fünf Tests durch, so ist er nur bedingt lebensmitteltauglich. In dem Prüfbericht finden Sie Auskunft darüber, für welche Lebensmittelklassen der Einmalhandschuh nicht geeignet ist.

Die Verordnung 10/2011 legt außerdem fest, dass Einweghandschuhe, die diverse Hilfsstoffe enthalten, nur eingeschränkt verwendet werden dürfen. So dürfen beispielsweise Vinylhandschuhe im Umgang mit fetthaltigen Lebensmitteln nicht benutzt werden, wenn sie Weichmacher (z.B. Phthalate) enthalten. Denn die gesundheitsschädigenden Phthalate sind gut fettlöslich und können sich somit aus dem Einweghandschuh herauslösen, wenn sie mit Fetten in Kontakt kommen. Aus diesem Grund dürfen phthalathaltige Vinylhandschuhe ausschließlich im Umgang mit fettfreien Lebensmitteln benutzt werden – und das auch nur, solange es sich um zugelassene Stoffe handelt. Diejenigen Phthalate, die in der Positivliste der zugelassenen Stoffe aufgelistet sind, sind ausdrücklich für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen.

Vinylhandschuhe mit Phthalaten, die in der SVHC-Liste (Substances of Very High Concern) für „besonders besorgniserregende Stoffe“ gelistet sind, sind für den Lebensmittelkontakt wiederum unzulässig.

Pflicht eines HACCP-Konzepts

Die Abkürzung „HACCP“ kommt aus dem Englischen und steht für „Hazard Analysis and Critical Control Points“, was so viel bedeutet wie „Gefahrenanalyse und Kontrolle kritischer Punkte“. Mithilfe des HACCP-Konzepts soll allen Risiken vorgebeugt werden, die im gesamten Prozess der Lebensmittelverarbeitung auftreten können. Hierdurch soll gewährleistet werden, dass die Lebensmittel unbedenklich und genusstauglich bleiben. Die Qualität der Lebensmittel soll also nicht durch nachträgliche Kontrollen, sondern durch präventive Maßnahmen gewährleistet werden.

Im Rahmen der EU-Hygieneverordnung über Lebensmittel (EG) Nr. 852/2004 sind alle Lebensmittelhersteller dazu verpflichtet, ein solches HACCP-System in ihre Lebensmittelproduktionsprozesse einzubinden. Hierzu werden zunächst die möglichen Risiken in der jeweiligen Lebensmittelproduktion ermittelt und kritische Lenkungspunkte bestimmt. Anschließend werden Grenzwerte festgelegt, dessen Überschreitung zu einer gesundheitlichen Schädigung der Verbraucher führen könnte und somit unzulässig ist. Daraufhin werden Kontrollverfahren festgelegt oder entwickelt, mit denen gewährleistet werden kann, dass die zuvor vorgegebenen Grenzwerte nicht überschritten werden. Außerdem wird festgelegt, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, wenn die Grenzwerte dennoch überschritten wurden. Im sechsten Schritt schreibt das HACCP-Konzept vor, dass das implementierte HACCP-System regelmäßig geprüft und an die neuesten Erkenntnisse angepasst werden muss. Damit ein lebensmittelverarbeitendes oder -vertreibendes Unternehmen die Erfüllung seiner Sorgfaltspflichten nachweisen kann, müssen all diese Aspekte schriftlich dokumentiert werden.

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So legen beispielsweise viele Lebensmittelhersteller im Rahmen ihres HACCP-Konzepts fest, dass in der Lebensmittelproduktion ausschließlich blaue Einweghandschuhe verwendet werden dürfen, um zu verhindern, dass abgerissene Handschuhfetzen oder sogar ganze Handschuhe in den Lebensmitteln verloren und weiterverarbeitet werden. Dies hat den Grund, dass es keine natürlich blauen Lebensmittel gibt. Dadurch stechen die blauen Einmalhandschuhe direkt ins Auge und können unverzüglich aus den Lebensmitteln entfernt werden.

Richtlinie für persönliche Schutzausrüstung (PSA; EU-Richtlinie 89/686/EG)

Während die zuvor genannten Gesetze und Verordnungen dem Schutz der Lebensmittel und Verbraucher dienen, dient die Richtlinie für persönliche Schutzausrüstung dem Schutz derjenigen Personen, die die Einmalhandschuhe tragen. Jedes Produkt, das als persönliche Schutzausrüstung gilt, muss eine CE-Kennzeichen einschließlich der Kennnummer des Prüfinstituts tragen. Die Richtlinie unterteilt Schutzausrüstungen in drei verschiedene Kategorien.

Kategorie I

Die Kategorie I verspricht Schutz gegen geringe Risiken. Hersteller dürfen ihre Produkte selbst als Persönliche Schutzausrüstung der Klasse I zertifizieren und ein CE-Kennzeichen auf den Produkten anbringen.

Kategorie II

Die Kategorie II verspricht Schutz gegen mittlere Risiken (z.B. Schnittfestigkeit). Um als PSA-Produkt der Klasse II ein CE-Kennzeichen tragen zu dürfen, muss der mittlere Schutz von einer staatlich anerkannten Prüfstelle zertifiziert werden.

Bei Persönlicher Schutzausrüstung der Klasse II muss das CE-Kennzeichen zudem in der Gebrauchsanleitung des Produktes ausgewiesen werden.

Kategorie III

Einweghandschuhe, die als Persönliche Schutzausrüstung der Kategorie III gelten, gewährleisten Schutz gegen komplexe Risiken. PSA-Produkte der Klasse III sollen den Anwender vor bleibenden Gesundheitsschäden und sogar vor tödlichen Risiken schützen. So sollen die Einweghandschuhe der PSA-Kategorie III den Träger beispielsweise beim Umgang mit Chemikalien beschützen.

Dass ein Produkt der Kategorie III zuzuordnen ist, muss ebenfalls von einer akkreditierten Prüfstelle bestätigt und zertifiziert werden. Zudem muss die CE-Kennzeichnung auf der Verpackung des Produkts sichtbar sein.

Fazit

Für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie empfehlen wir Ihnen den Gebrauch von Nitrilhandschuhen, die die Europäische Norm 374 erfüllen und als Persönliche Schutzausrüstung der Kategorie III zertifiziert wurden. So können Sie sicher sein, dass Ihre Einmalhandschuhe eine gute Beständigkeit gegenüber Fetten aufweisen und die Lebensmittel nicht durch Weichmacher oder andere Stoffe der Einweghandschuhe verunreinigt werden. Außerdem können Sie mit einem Einweghandschuh, der die EN 374 erfüllt und als PSA-Produkt der Kategorie III zertifiziert ist, auch mit Chemikalien, wie beispielsweise Reinigungsmitteln, in Kontakt kommen, ohne um Ihre Hände besorgt zu sein.

So wie es in vielen HACCP-Konzepten vorgeschrieben ist, empfehlen wir für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie zudem blaue Nitrilhandschuhe, da auf diese Weise Handschuhfetzen oder sogar ganze Handschuhe in den Lebensmitteln schnell identifiziert und beseitigt werden können. Ob ein Einweghandschuh grundsätzlich für den Umgang mit Lebensmitteln geeignet ist, erkennen Sie an dem Glas-Gabel-Symbol auf der Handschuhbox. Dieses bescheinigt, dass der Handschuh gemäß der EU-Verordnung 1935/2004/EG für den Lebensmittelkontakt zugelassen ist.

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